Wer ihn erlebt hat, wird Fuhrmann als rastlosen Kunstproduzenten und Kunstvermittler in Erinnerung haben, der andere gern überstrahlte, aber eben auch mitriss. Er war Lehrer, Kunsterzieher, viele Jahre Präsident des Bundes deutscher Kunsterzieher in Mecklenburg-Vorpommern, Reiseleiter auf legendären Osterreisen und immer auch Zeichner, Heimat-Maler, Chronist.

Am 4. April 1928 wurden Dieter Fuhrmann und sein Bruder Rolf in Rostock geboren. Sie stammten aus einfachen Verhältnissen. Die Mutter, Marie Fuhrmann (1892 – 1986), arbeitete bis zu ihrer Eheschließung als Angestellte von Telegrafenämtern in Hamburg und Rostock. Der Vater, August Fuhrmann (1891 – 1968), arbeitete als Telegrafenleitungsaufseher und als Sägerei- und Bauarbeiter. Die Familie wohnte in Bad Sülze.
Im April 1944 beendeten beide Jungen die Mittelschule Tribsees mit der Mittleren Reife. Dieter Fuhrmann ging sofort zur Lehrerbildungsanstalt Gartz/Oder und blieb dort bis zu seiner Einberufung zur Flak im Januar 1945. Im April 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde nach Lageraufenthalten in Südfrankreich Ende Februar 1946 nach Hause entlassen. Zurück in seiner Heimat bewarb er sich sofort für einen Neulehrerkurs.
Der erste Arbeitsvertrag für den Schuldienst führte ihn ab September 1946 in den Kreis Greifswald. Dieter Fuhrmann arbeitete in Lodmannshagen, Katzow, Bandelin und Schmoldow. In diese Zeit fiel auch seine erste Ehe, in der zwei Töchter geboren wurden.
Dieter Fuhrmann erwarb 1950 bis 1953 parallel zu seiner Unterrichtstätigkeit die 2. Lehrerprüfung. Für ein Studienjahr ging er 1952/53 nach Erfurt, um Fachlehrer für Kunst zu werden. Dort lernte er Renate, seine zweite Ehefrau, kennen, die ebenfalls Lehrerin wurde. Sie bekamen zwei gemeinsame Kinder, Gerhard und Irmgard, bevor sie 1957 heirateten.
Nach dem Erfurter Aufenthalt arbeitete Dieter Fuhrmann weiter im Kreis Greifswald, in Gützkow und Levenhagen, während seine Frau zunächst bei Erfurt und später mit Sohn und Tochter in Malchin in Mecklenburg lebte und arbeitete. Die Familie fand erst 1957 in Lühmannsdorf bei Greifswald einen gemeinsamen Lebensort. Ein Jahr später zogen sie nach Weitenhagen im Kreis Greifswald, wo Dieter Fuhrmann bis 1964 Schulleiter war. Beide Lehrer widmeten sich neben dem Unterricht auf vielfältige Weise der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dieter Fuhrmann, selbst ausgesprochen sportlich, betreute Handballmannschaften und spielte aktiv Handball. Gemeinsam mit seiner Frau förderte er künstlerische Talente und präsentierte Ergebnisse in Kinderkunst-Ausstellungen. In dieser Zeit begann auch eine intensive Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunsterziehung der Universität Greifswald mit dem Ziel, neue Lehrpläne zu entwickeln.
1964 zog die Familie nach Greifswald. Die beiden Kinder legten das Abitur ab und wurden Kunstlehrer. Seine Frau Renate arbeitete an der Goethe- und Drews-Schule und blieb dort bis zum Eintritt in den Ruhestand.
Dieter Fuhrmann war sechs Jahre Lehrer an der Erweiterten Oberschule. 1964 bis 1968 absolvierte er gleichzeitig ein Fernstudium im Fach Deutsch. Im Kunstunterricht fühlte er sich durch seine Schüler immer wieder neu als Lernender angeregt.

1970 wechselte Dieter Fuhrmann zur Fischer-Schule. Seine Zeit und Kraft widmete er vor allem seiner kulturpolitischen und künstlerischen Arbeit und der Förderung künstlerischer Talente. Zeitweise betreute er neben seinen Pflichten als Fach- und Klassenlehrer fünf Arbeitsgemeinschaften und hob einen Singeklub aus der Taufe. Im Unterricht malte und zeichnete er gemeinsam mit seinen Schülern und verbrachte den Großteil seiner Zeit mit ihnen.
Mit großem Engagement baute er gemeinsam mit Fachkollegen des Bereiches Kunst im Bezirk Rostock Kinderkunst-Ausstellungen auf.
Seit 1974 war Dieter Fuhrmann als Kunstlehrer im »Bezirksspezialistenlager Bildende Kunst« tätig. Er prägte mit seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten diese zweiwöchigen Sommerkurse an jährlich wechselnden Orten mit intensivem künstlerischen Arbeiten. Und er fand hier Erfüllung und Freunde, die ihn bis an sein Lebensende begleiteten.

Seine vielfältige Arbeit wurde 1988 mit der Beförderung zum Studienrat belohnt. Mit 64 Jahren beendete er seine Arbeit als Lehrer an einer Schule.
Seit 1990 hatte Dieter Fuhrmann das Amt des Präsidenten des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern im Bund Deutscher Kunsterzieher inne. Er aktivierte 10 Jahre lang die Zusammenarbeit der Kunstlehrer und machte den Verband zu einer starken Kraft. Er regte Bildungsangebote an, organisierte künstlerische Reisen in viele Länder Europas und malte gemeinsam mit seinen Kollegen.
Mit Kühlenhagen bei Katzow, wo er seit 1994 wohnte, hatte er für sein eigenes künstlerisches Arbeiten und für den Lebensabend mit seiner Frau Renate einen geeigneten Ort gefunden. Der Aktionsradius wurde kleiner, aber bis kurz vor seinem Lebensende fand er immer wieder Erfüllung in seinen Bildern, die er nicht müde wurde Freunden und Interessenten zu zeigen. Über viele Jahre öffnete er Pfingsten sein Atelier für Besucher von Kunst:Offen. Sie erlebten ihn als fleißigen Maler, begeisterten Erklärer und humorvollen Geschichtenerzähler. Dieter Fuhrmann starb am 16. April 2013 in Greifswald.

»Wer mit dem Fotoapparat arbeitet,
der kann die dunklen Wolken nicht vertreiben –
ich dagegen kann eine Sonne malen.«
Dieter Fuhrmann, 2003
Zuhause
Dieter Fuhrmann, Jahrgang 1928, in Rostock geboren, ein echter Mecklenburger, der am Ende seines Lebens in dem kleinen ostvorpommerschen Ort Kühlenhagen seinen künstlerischen und Lebensmittelpunkt hatte. Er war um und in Greifswald 47 Jahre lang Lehrer für Kunst und Deutsch. Immer betreute er künstlerische Arbeitsgemeinschaften und immer war er selbst künstlerisch tätig. Von 1990 bis 2000 war er Vorsitzender des Bundes Deutscher Kunsterzieher im Land Mecklenburg-Vorpommern. Dort organisierte er künstlerische Arbeitswochen für Kolleginnen und Kollegen und regte vielfach zu intensiver künstlerischer Arbeit an.
Professor Dr. Manfred Prinz sagte seinerzeit über ihn: »Dieter Fuhrmann vereinigt in sich diese gute Mischung von eigener gestalterischer Kreativität, aufgeschlossenem Interesse für Bedingungen dieses Kunstprozesses und dem drängenden Bedürfnis nach Vermittlung.«
Häufig war er auf Reisen, hat unermüdlich gemalt und gezeichnet und auf diese Weise ein sehr umfangreiches Gesamtwerk hinterlassen, das ihn nicht nur als fleißigen, sondern auch als vielseitigen Maler ausweist. Unzählige Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen hat Dieter Fuhrmann in den Jahren seiner pädagogischen und künstlerischen Tätigkeit aufzuweisen. Viele seiner Arbeiten sind in privatem Besitz oder aber in öffentlicher Hand.
Es finden sich in seinem Werk sensible, sehr impressive Beobachtungen seiner unmittelbaren Lebensumwelt, wie auch ausgesprochen kraftvolle, stark farbige Verarbeitungen von Eindrücken, gewonnen auf seinen Reisen durch Europa oder in seiner unmittelbaren Lebensumgebung.
Dieter Fuhrmann malte und zeichnete, wann immer es ihm möglich war, und möglich war es fast immer. Er malte Landschaften, Stadtbilder, Stillleben, seltener auch Porträts. Seine reiche Palette an Motiven und Erlebnissen durchmischte er unbelastet und frisch mit kunsthistorischen Erfahrungen und Erkenntnissen früher künstlerisch Tätiger.
Er war ganz Farbe, er übersetzte seine Welt in die verschiedensten Töne, immer und immer wieder. Kaum gab es Tage, an denen er nicht malte.
Eine Hiddensee-Episode: Zwei fahren mit Rädern Richtung Enddorn. Es hatte die Nacht zuvor gestürmt und der eine, der jüngere, geht mit gesenktem Kopf auf Bernsteinsuche. Dieter Fuhrmann, der Vater und unermüdliche Maler, hat schnellstmöglich Farben, Hocker, Spachtel und Papier bereit – es könnte ja sein, dass man einen solchen Enddorn in diesem Leben nicht wieder zu Gesicht bekommt. Schließlich findet der eine einen Bernstein, malt ein kleines Aquarell, macht noch eine Zeichnung und ist zufrieden.
Der alte Maler hat am Ende des Tages elf Blätter auf seinem Bett liegen, begutachtet sie, ist mit den meisten recht zufrieden, korrigiert hier und da ein wenig und hat schon fast eine Ausstellung zusammen. Nicht die reine Anzahl ist das Erstaunliche, es ist die Intensität, das Kaum-aufschauen-Können vor Drang, zu malen und zu malen und zu malen.
Text von Gerhard Fuhrmann – entnommen dem Katalogbuch »Dieter Fuhrmann – unterwegs«